Jungs machen Theater und Mädchen eine Szene
Performance Wettbewerb 2010
Gleichberechtigung gestern und heute
„Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ So beginnt der zweite Absatz des Artikels 3 des Grundgesetzes, das seit 1949 in Kraft ist. Bis er so formuliert werden konnte, mussten Frauen in Deutschland, Europa und der ganzen Welt einen langen und steinigen Weg zurücklegen:
- Die Idee der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau wurzelt in der Zeit der Aufklärung (18. Jh.) und gewann in der Französischen Revolution an Kraft (Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin von Olympe de Gouges, 1791).
- Im 19. Jahrhundert wurde auch in Deutschland der Ruf nach Gleichberechtigung von Mann und Frau lauter. Im Kontext der Aufstände vor der Jahrhundertmitte und vor allem während der Revolution von 1848/49 wurden z.B. Frauenerwerbs- und -bildungsvereine gegründet. Eine Vorreiterin war z.B. Louise Otto-Peters, die 1849 die erste politisch orientierte „Frauen-Zeitung“ gründete.
- Die bürgerliche Frauenbewegung des späten 19. Jahrhunderts stellte zunächst das Recht auf Bildung für Mädchen und junge Frauen ins Zentrum ihrer Bemühungen. In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts konnten schließlich die ersten jungen Frauen vereinzelt als „Externe“ das Abitur ablegen. Bis 1909 öffneten sich alle deutschen Länder für das „Frauen-Studium“ – teilweise gegen massiven Protest der Professoren. 1920 wurden Frauen zur Habilitation zugelassen, 1923 erhielt Margarethe von Wrangell als erste Frau in Deutschland eine ordentliche Professur.
- Nach dem Ersten Weltkrieg durften Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen: Im Januar 1919 beteiligten sich 82 Prozent der weiblichen Stimmberechtigten an der Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung.
- Zum 1. Juli 1958 wurde § 1356 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) reformiert. Frauen führten ab diesem Zeitpunkt den Haushalt in eigener Verantwortung und durften erwerbstätig sein, „soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist“. Gegenüber §§ 1354 und 1356 BGB in der Fassung von 1900 war dies ein großer Fortschritt, denn nach diesen stand dem Mann „die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten“ zu, die Frau war zu „Arbeiten im Hauswesen und im Geschäfte des Mannes“ verpflichtet. Erst 1977 hielt § 1356 BGB fest: „Die Ehegatten regeln die Haushaltsführung im gegenseitigen Einvernehmen. [...] Beide Ehegatten sind berechtigt, erwerbstätig zu sein.“
Heute wie auch in der Vergangenheit gab und gibt es Menschen, die sich nicht um die überlieferten Rollenbilder kümmern. Zu ihnen gehören so unterschiedliche Personen wie Marie Curie (1867-1934), berühmte Physikerin und doppelte Nobelpreisträgerin, Elisabeth Selbert (1896-1986), eine der vier „Mütter“ des Grundgesetzes, Anne Will (geb. 1966), erste weibliche Moderatorin der „Sportschau“, Lina van de Mars (geb. 1979), Kfz-Mechanikerin und Musikerin, sowie die Männer, die als Sozialarbeiter, Kindergärtner oder Friseure arbeiten.
Materialien zum Thema im Internet:
- Zahlreiche Materialien auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung, u. a.:
- Grundrechte – Mädchen und Jungen sind gleichberechtigt
Themenblätter für die Grundschule - Frauen in Deutschland
Informationen zur politischen Bildung - Familie und Frauen-Rollen
Themenblätter im Unterricht
- Grundrechte – Mädchen und Jungen sind gleichberechtigt
- Kinder- und Jugendwebsites zum Thema „Gleichberechtigung in Deutschland“:
www.kindernetz.de
www.wasistwas.de - Kinder- und Jugendwebsite zum Thema „Frauenwahlrecht“:
www.kindernetz.de - Ausführliche Informationen und zahlreiche Statistiken zur gegenwärtigen Situation von Frauen und Männern im Zweiten Bericht der Bayerischen Staatsregierung zur sozialen Lage in Bayern, hg. vom Bayerischen Sozialministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, Kapitel 14 (Gleichstellung von Frauen und Männern, S. 757-790)
Zweiter Bericht
Mögliche Arbeitsaufträge für Schülerinnen und Schüler:
- Recherchiert die Geschichte der Gleichberechtigung in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert und stellt die wichtigsten Etappen übersichtlich auf Plakaten zusammen!
- Ungewöhnliche Männer, unkonventionelle Frauen: Erstellt Biographien zu „Rollenbrechern“ aus der Vergangenheit oder der Gegenwart, aus Eurer Familie oder Eurer Heimatgemeinde und stellt dabei das Ungewöhnliche und Unkonventionelle an den ausgewählten Personen in den Vordergrund.
